Aktueller Absturz, BFU, Fragen, Luftrecht, Schlamperei, Ultraleichtflugzeug, Ursache

Gewichtige Fragen zu den aktuellen RANS 6-Unfällen

12.09.11 | Permalink | Comment?

Am 03.09.2011 stürzte eine Rans S 6 in einen Badesee. BFU-Status-Bericht (S.20): Hoffnungslos überladen.

Angebliche Leermasse: 287 kg.
Gesamtgewicht der Personen: 190 kg
Gepäck: 23 kg
zusätzliche Instrumente: 2 kg
sowie 73 Liter Kraftstoff, was ca. 50 kg entspricht.

Das angegebene MTOW von 450 kg war damit klar überschritten. Wir würden gerne einmal eine RANS S 6 sehen, die nur 287 kg auf die Waage bringt.

Am 21.09.11 stürzte eine weitere RANS S6 mit einer 66-jährigen Flugschülerin bei Landshut ab.

Laut Wägebericht soll diese eine Leermasse von sogar nur 284 kg gehabt haben. Die BFU hat die Trümmer gewogen und hat laut BFU-Status-Bericht (S. 42 ff.) sagenhafte (und schwer vorstellbare) 305 kg Leergewicht gemessen. Damit war der Flieger vollkommen “legal”, wenn man davon absieht, dass man ja noch Treibstoff an Bord haben muss. Hierüber schweigt sich das Bulletin aber aus. Bei der Zuladung von 142,2 kg hätte das UL selbst nach offizieller Darstellung gerade einmal mit 3kg Kraftstoff betankt werden dürfen, um das MTOW von 450 kg zur unterschreiten.

Das vorgeschriebene Repacking des Rettungsgeräts war auch nicht durchgeführt worden. Wie aber konnte das UL ohne geprüftes Rettungsgerät eine Jahresnachprüfung bekommen?

Der “Fluglehrer” war dann wohl auch eher ein “Fluglehrerassistent”.

Schlamperei, Ultraleichtflugzeug, Ursache

Bei Rothenburg abgestürzte Sting war zu schwer

12.08.11 | Permalink | Comment?

Laut Status-Bericht der BFU (Seite 28) hatte die am 02.08.2011 abgestürzte Sting ein Gesamtgewicht von 567 kg – eine Schulungsmaschine! Das “UL” überschritt damit die maximal zulässige Abflugmasse um knapp 100 kg.

(Wir wären nicht überrascht, wenn selbst dieses Gewicht der Maschine noch überschritten wurde.)

Offenbar hatten sich Fluglehrer und Flugschüler dann auch noch ein Mut angetrunken.

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Ultraleichtflugzeug

Geglückte Rettungen mit Gesamtrettungssystem

11.28.11 | Permalink | Comment?

In unserem Brief an Bundesverkehrsminister Herrn Dr. Ramsauer, MdB, hatten wir geschrieben, uns sei hierzulande abgesehen von Benzinmangel kein Fall geglückter Gesamtrettungen bekannt.

Wie wir nunmehr erfahren haben, gibt jedoch durchaus solche Fälle, die u.a. bei diesem Anbieter dokumentiert sind, so z.B. dieses Jahr am 27. April 2011 während des Fluges von Norderney nach Krefeld. Ein ordnungsgemäß eingebautes Gesamtrettungsgerät ist grundsätzlich ein Sicherheitsgewinn. Die geringe Anzahl an bekannten Rettungen hierzulande dürfte mit dem allgemeinen Misstrauen in diese Geräte zusammenhängen, weshalb diese häufig nicht oder zu spät ausgelöst werden.

Dennoch ist es seltsam, dass solche Geräte ohne die vorgeschriebenen Prüfungen zugelassen wurden und anscheinend keine Instanz über diesen Bereich eine effektive Aufsicht führt.

Aktueller Absturz, Tragschrauber, Ultraleichtflugzeug

technischer Defekt Ursache des Absurzes bei Vilafranca?

11.28.11 | Permalink | Comment?

Wie die Mallorca-Zeitung berichtet, scheint es einen technischen Defekt mit dem Rotor gegeben zu haben:

Darauf deute hin, dass Bauteile in rund zehn Metern vom Rest des abgestürztes Fluggeräts sowie in vergleichsweise gutem Zustand gefunden wurden. Augenzeugen hatten zudem beobachtet, dass der Tragschrauber kurz vor dem Absturz einen abrupten Schwenk geflogen sei.

Allgemein, Fragen, Schlamperei

Antwort von Bundesverkehrsminister Ramsauer

11.26.11 | Permalink | Comment?

Heute ging das Schreiben eines Herrn Reichle ein, der im Auftrag des Herrn Dr. Ramsauer MdB geantwortet hat.

Er “verrät” uns, dass die Verbände mit der Zulassung beliehen sind und die BFU Flugunfälle im UL-Bereich untersucht. Aha.

Und wenn wir “belastbare Informationen” hätten, die darauf schließen ließen, dass Vorschriften vorsätzlich umgangen würden, dann könne man die ja dem LBA übermitteln. Vielleicht hat der Minister überlesen, dass wir auch das LBA kritisieren …

Zur Problematik der übergewichtigen “Leichtgewichte” verliert man kein Wort. Das war auch irgendwie zu erwarten …

Aktueller Absturz, Tragschrauber, Ultraleichtflugzeug

Vilafranca

11.26.11 | Permalink | Comment?

Ein deutscher Fluglehrer und sein ebenfalls deutscher Flugschüler sind bei Vilafranca auf Mallorca in einem Gyrokopter tödlich verunglückt. Das Gerät soll aus unbekannten Grünen eine ungewöhnliche Bewegung gemacht haben und dann abgestürzt sein.

Aktueller Absturz, Allgemein, BFU, DAeC, DULV, Fragen, Schlamperei, Ultraleichtflugzeug

Anfrage bzgl. der Zustände im Ultraleichtflug-Bereich

11.25.11 | Permalink | Comment?

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Herr Dr. Peter Ramsauer
Invalidenstraße 44

10115 Berlin

07.11.2011

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Ramsauer,

ich erlaube mir, Sie auf Missstände in Ihrem Ressort aufmerksam zu machen, welche die Beleihung der Flugverbände mit der Zulassung von Luftsportgeräten sowie die Arbeit der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung betreffen.

Wie Ihnen bekannt ist, hat Ihr Ministerium gerade wieder erneut die Kompetenz für die Zulassung und Prüfung von Flugzeugen der Ultraleicht-Klasse (UL) den Flugverbänden DULV und DAeC übertragen. Die daran u.a. im Ausland vehement erhobene Kritik, etwa durch das Schweizer Büro für Flugunfalluntersuchung, wurde bislang nicht zum Anlass für Änderungen genommen.

Es ist seit Jahren ein offenes Geheimnis, dass fast alle in Deutschland als UL zugelassenen Luftsportgeräte (Dreiachser) die maximal zulässige Leermasse von 297,5 kg konstruktionsbedingt überschreiten, mithin nicht zulassungsfähig sind. Da ein gesetzmäßiges Handeln zu einer massenhaften Entwertung der derzeit zugelassenen UL-Flugzeuge führen und z. B. den Deutschen Ultraleichtflugverband e.V. in dessen Existenz gefährden würde, behilft sich die Branche seit langem, in dem man einfach die obligatorischen Wägeberichte falschbeurkundet. In Anlage übersende ich zur Illustration einen rechtskräftigen Strafbefehl wegen Falschbeurkundung im Amt bzgl. des Prüfers Herrn XXXXX XXXXX, der erstaunlicherweise für den Verband – wie für das Luftfahrtbundesamt (LBA) – weiter prüfen darf und sogar am XXXXX.2010 mit der „Goldenen Plakette des DAeC“ ausgezeichnet wurde. Besagter Prüfer tut nämlich genau das, was offenbar xxxxx entsprechenden Prüfer tun: Er beurkundet Leergewichte falsch, offensichtlich um die vorangegangenen Falschzulassungen der Verbände zu verdecken.

Selbst privat beauftragte Gutachter weigern sich, korrekte Wägeberichte auszustellen, weil sie die Reaktion der sehr überschaubaren Fliegerszene fürchten. Aufgrund von „Regiefehlern“ liegen auch etliche einander widersprechende Wägeberichte für ein und dasselbe Flugzeug vor.

Die Falschbeurkundungen verunmöglichen den Piloten eine notwendige Flugvorbereitung, da sie das ihnen unterschlagene Mehrgewicht nicht kennen. Aus dem regelmäßigen Überschreiten der maximalen Abflugmasse folgt auch, dass die in den Papieren angegebene Mindestfluggeschwindigkeit gar nicht erreicht werden kann, da es bei Drosselung der Reisegeschwindigkeit vorher zu einem Strömungsabriss käme.

Die auf die falsch beurkundeten Wägeberichte vertrauenden Piloten geraten oft überraschend in eine unzulässige Schwerpunktlage, die auch für Kunstflugpiloten nicht mehr beherrschbar wäre. Etliche deutsche UL-Piloten fanden auf diese Weise in den letzten Jahren den Tod, was stets als „Pilotenfehler“ abgetan wird. Die weltweiten Unfallzahlen bei UL-Flugzeugen, die aufgrund der deutschen Falschzulassungen in Verkehr gebracht wurden, sind besorgniserregend.

Wie die Erfahrung zeigt, verzichten die UL-Piloten häufig auf das Auslösen der Gesamtrettungsgeräte, da diese nur unter optimalen Bedingungen Hilfe versprechen und wegen der Bremswirkung des Fallschirms und der automatischen Notabschaltung des Motors andere Optionen wie Notlandungen etc. ausschließen. Abgesehen von Benzinmangel sind hierzulande keine Zwischenfälle bekannt, in denen jemals die Gesamtrettung zielführend ausgelöst wurde. Dessen ungeachtet stellte sich 2010 heraus, dass diese Rettungsgeräte ungeprüft zugelassen wurden, obwohl z. B. die gesetzlich vorgeschriebenen Testausschüsse nicht vorgenommen wurden. Auch dies scheint für die Verantwortlichen keine Konsequenzen gehabt zu haben.

Insbesondere in einem von mir betreuten Fall ist auf einem Polizeifoto, das den Fallschirm eines bei einem Unfall ausgelösten Rettungsgeräts zeigt, deutlich zu erkennen, dass sich die Tragleinen nach dem Ausschuss verknotet haben. Das System war mithin funktionslos, da der Schirm nicht hätte aufgehen können. Erstaunlicherweise erwähnt die BFU diesen Befund mit keinem Wort.

Dieses Wochenende stürzte bei Gerolstein ein motorisierter Drachenflieger in den Tod, nachdem der Fallschirm des Rettungsgeräts zunächst aufgegangen war, dann jedoch vom Luftsportgerät abriss. Realistische Tests dieser Systeme werden nach meiner Kenntnis nicht durchgeführt. Sofern überhaupt Testausschüsse vorgenommen werden, geschehen solche nach meinen Erkenntnissen nie in der Luft, insbesondere gibt es keine Crash-Tests.

Wie eng die Flugverbände, die Verantwortlichen und die BFU in Braunschweig verflochten sind, lässt sich an der Tatsache ermessen, dass die BFU erstaunlicherweise darauf verzichtet, bei Flugunfällen die Leermasse der verunfallten Luftsportgeräte anzugeben. Auch in anderer Hinsicht hege ich große Zweifel daran, dass die BFU ihre Arbeit dem gesetzlichen Auftrag entsprechend ausführt.

Ich bitte freundlich

um Stellungnahme, inwiefern Ihnen diese angesprochenen Missstände bekannt sind und was Sie dagegen zu unternehmen gedenken.

Ich beabsichtige, dieses Anschreiben und ggf. Ihre Antwort zu veröffentlichen.

Ich bitte um kurzfristige Nachricht, ob und wann ich mit einer Antwort rechnen kann.

Mit freundlichen Grüßen

(Kompa)

Rechtsanwalt

[Kommentar: Bislang keine Antwort.]

Airliner, Historischer Absturz, Luftrecht, Schlamperei

10 Jahre Crossair-Absturz

11.24.11 | Permalink | Comment?


Am 24.11.2001 verunglückte der in Berlin gestartete Crossair-Jumbolino über der Schweiz. Im Untersuchungsbericht des Schweizer Büros für Flugunfalluntersuchung hieß es,

dass der 57-jährige Flugkapitän übermüdet gewesen war und zu tief geflogen ist. Und der 25-jährige Co-Pilot unternahm keinen Versuch, das zu verhindern.

Schwächen des Piloten waren bereits häufig aufgefallen.

Prominentes Opfer des Absturzes war die deutsch-amerikanische Pop-Sängerin Melanie Thornton. Die Schweizer Politikerin Jacqueline Badran überlebte leicht verletzt.

Allgemein, Luftrecht

277 Fluggesellschaften auf Schwarzer Liste

11.23.11 | Permalink | Comment?

Die EU hat den europäischen Luftraum für 277 Fluggesellschaften dicht gemacht.

Ein ähnlich rigoroses Vorgehen wäre im Bereich der UL-Branche wünschenswert, wird aber nicht ansatzweise beobachtet.

Aktueller Absturz, Drachen, Ursache

Gerolstein: Kein Herzversagen

11.15.11 | Permalink | Comment?

Die Obduktion hat ergeben, dass der verunglückte UL-Pilot kein Herzleiden hatte. Inzwischen wurde ein offenbar ertragreicher Zeuge aufgetan, berichtet der Trierische Volksfreund.

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