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Rettungsgeräte: Gerät die Rettung von DAeC und DULV?

05.06.10 | Comment?

Viele UL-Piloten vertrauen ihr Leben den Gesamtrettungsgeräten an – doch häufig wurden sie vergeblich ausgelöst. Dies könnte daran liegen, dass die vom Verkehrsministerium beauftragten Verbände DAeC und DULV Rettungsgeräte bei der Musterzulassung durchwinken, die den geltenden Bauvorschriften für Rettungsgeräte nicht entsprechen.

Als dies offenbar wurde, reagierten DULV und DAeC mit „Sicherheitsmitteilungen“ (Download DAeC-SiMi 1/09, DULV-SiMi 2/09).

Demgemäß sind z.B. alle Rettungsgeräte mit Slider (“Öffnungsverzögerer”) nicht zulassungsfähig, da die Schirme sich entgegen der rechtsgültigen Bauvorschriften zu spät öffnen.

So beklagt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen z.B. im Bericht 3X017-0/08:

Für eine sichere Öffnung des Rettungsgerätes wäre eine Höhe von über 100 m erforderlich gewesen. Bei einem nahezu vertikalen Fall in einer trudelartigen Bewegung sind 130 m – 160 m über Grund als erforderliche Mindesthöhe anzunehmen.
Der Hersteller gab an, dass zur Zulassung des Rettungsgerätes entgegen den Lufttüchtigkeitsforderungen für Rettungsgeräte für Ultraleichtflugzeuge (LTF 99) andere Prüfverfahren auf Forderung des DULV angewandt wurden. Die nach der LTF 99 geforderten Testausschüsse bei 45 km/h Anströmungsgeschwindigkeit erfolgten nicht. Stattdessen wurden die Raketentestausschüsse bei einer Anströmungsgeschwindigkeit von 120 km/h durchgeführt.
Laut Hersteller war bei Geschwindigkeiten unter 120 km/h von längeren Öffnungszeiten und einer höheren Mindestgebrauchshöhe auszugehen. Die Auslösehöhe für eine vollständige Entfaltung des Rettungssystems beträgt dann das Doppelte oder sogar mehr als die geforderten Zulassungskriterien.

Statt die Rettungsgeräte aus dem Verkehr zu ziehen, belässt man es bei einer Sicherheitsmitteilung:

Da die Öffnungsverzögerer bisher nicht in den Lufttüchtigkeitsforderungen für Rettungsgeräte Stand 1999 berücksichtigt sind, beantragen die beauftragten Verbände eine Ergänzung der Vorschriften und veröffentlichen die Werte der Entfaltungszeit bei der nachgewiesenen Anströmgeschwindigkeit in den Gerätekennblättern.

Allerdings wurden diese Öffnungsverzögerer bereits vor 1999 verbaut.

Fragen:

Was werden wohl die noch lebenden Verunglückten und die Hinterbliebenen über solche Sätze denken?

Warum wurden entgegen geltenden Rechts Rettungssysteme mit minderen Sicherheitsstandards zugelassen?

Warum werden Fluggeräte mit unzulässiger Ausrüstung nicht zum Schutz der Nutzer bis zur Behebung der Mängel gegroundet?

Warum werden die betroffenen Zulassungen nicht gem. §§ 2 (4) LuftVG, 9 (2) LuftVZO widerrufen?

Warum werden LBA und BMVBS ihrer gesetzlichen Aufsichtspflicht nicht gerecht?

Diese Fragen werden wir auch an das Luftfahrtbundesamt und Bundesverkehrsministerium stellen und über deren Reaktion berichten.

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