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Allgemein, BFU, DAeC, DULV, Fragen, Schlamperei, Tragschrauber, Ultraleichtflugzeug, Ursache

100 tote UL-Flieger

04.25.10 | 3 Comments

Schlamperei oder bewusstes Wegschauen?

Laut den Feststellungen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Deutschland und anderen Untersuchungsbehörden sind die Lufttüchtigkeitsanforderungen für Ultraleichtflugzeuge (Luftsportgeräte) und deren Bauteile einschließlich der Rettungsgeräte häufig nicht erfüllt worden.

Mit der Verwaltung sind die Luftsportverbände (DAeC e.V. und DULV e.V.) gemäß Luftverkehrsgesetz (§ 31 c und § 31 d LuftVG) beauftragt. Somit haben die beauftragten Verbände eine Behördenfunktion übernommen. Dieses geschah für den Bereich der Luftsportgeräte für den DAeC e.V. erstmals mit der Verordnung zur Beauftragung von Luftsportverbänden vom 16.12.1993.

Bei den Untersuchern der BFU sowie anderen Untersuchungsbehörden wurde mehrfach festgestellt, dass die Lufttüchtigkeitsforderungen für Luftsportgeräte, die Bauvorschriften für Rettungsgeräte für Luftsportgeräte sowie die Bauvorschrift für UL-Tragschrauber nicht erfüllt wurden. Den Untersuchungsberichten der BFU zufolge

- wurde (bewusst?) gegen die Bauvorschrift zugelassen,

- bestehen Zweifel an der Lufttüchtigkeit von Ultraleichtflugzeugen,

- wurden gültige Vorschriften LTF-UL nicht erfüllt

- bestehen Unzulänglichkeiten bei der Musterzulassung, der Dokumentation und bei der Ausbildung.

(…) Bereits Mitte der 90er Jahre kritisierte das Luftfahrtbundesamt (LBA) gegenüber dem Bundesverkehrsministerium, dass es aufgrund der “festgestellten fachlich-technischen und auch verwaltungsrechtlichen Mängel eine Fortdauer der Beauftragung des DAeC nicht befürworten könne”, so heißt es im Unfallbericht. (…)

“In Ultraleichtflugzeugen kamen mehr Menschen um als in den größeren Sportfliegern – obwohl es davon viel mehr Maschinen gibt”, urteilt Frank Göldner, Experte bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Sein Amt habe in einer Untersuchung herausgefunden, dass die Selbstkontrolle der Flugverbände nicht ausreichend sei. (…)

Hunderte Todesopfer

In den letzten fünf Jahren haben in Deutschland ca. 100 Menschen in der UL-Szene ihr Leben gelassen, es gab viele Schwerverletzte. Im restlichen Europa sind die Zahlen der Toten sowie Schwerverletzten aufgrund von deutschen Musterzulassungen nicht festzustellen. Mit UL-Fliegern deutscher Musterzulassung gefährden und töten sich Piloten auch in den USA, Südafrika und Australien.

Untersuchungsdefizit

Die Piloten vertrauen auf die Zulassung der Verbände. Es ist für einen normalen Piloten fast unmöglich, festzustellen, ob die Zulassung korrekt erfolgt oder nicht. Meist werden die Hintergründe erst nach einen Absturz (regelmäßig mit Todesfolge) unter die Lupe genommen. Die deutschen Strafermittlungsbehörden (Polizei und Staatsanwaltschaft) verlassen sich zu oft bei ihren Ermittlungen auf die BFU, obwohl deren Untersuchungszweck ein völlig anderer ist, nämlich die Vermeidung künftiger Unfälle. Selten werden freie Sachverständige bei den Ermittlungen eingeschaltet, was zu Beweisverlust strafrechtlich relevanter Aspekte führt. Die BFU ist als Behörde dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung unterstellt.

Unfälle mit Kleinflugzeugen werden nur dann untersucht, wenn die BFU hiervon neue Erkenntnisse für die Sicherheit in der Luftfahrt erwartet. Sollten während der Untersuchung ihrerseits Mängel festgestellt werden, so werden Sicherheitsempfehlungen herausgegeben.

Beleihung der Sportverbände noch tragbar?

Aufgrund der festgestellten Sicherheitsmängel gibt es viele Gründe für den Gesetzgeber, einzuschreiten, den Verbänden die Beauftragung zu entziehen, die zugelassenen Luftsportgeräte zu kontrollieren und nichtzulassungsfähige Luftsportgeräte stillzulegen. Der Staat hat hierzu nicht nur die Macht, sondern auch die Pflicht.

Warum schreitet der Staat nicht ein? Hat es möglicherweise mit den Schadensersatzansprüchen der Hinterbliebenen, der Schwerstverletzten und teilweise verkrüppelten Piloten oder der Eigentümer stillgelegter Luftsportgeräte zu tun?

Die Verantwortlichen hüllen sich in Schweigen und versuchen, die Verantwortung über abstrakte Sicherheitsmitteilungen und Lufttüchtigkeitsanweisungen die Verantwortungen auf die Piloten abzuwälzen.

Das Zitat unseres Verkehrsministers:

„Ich werde nicht verantworten, was ich nicht selbst als Passagier machen würde.“

Herr Ramsauer, würden Sie mit Ultraleichtflugzeugen auch als Passagier mitfliegen, obwohl diese nicht den gültigen deutschen Bauvorschriften entsprechen?

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